Kaulquappen
Wohl jeder hat in seinem Leben schon einmal eine Kaulquappe gesehen, ohne zu wissen, was sie genau sind. Jeder Schüler musste schon mindestens einmal in seinem Leben eine Kaulquappe bestimmen und sich damit befassen. Über Kaulquappen gibt es viele Irrtümer. So wissen nur die wenigsten, dass die Larven der Schwanzlurche nicht Kaulquappen genannt werden, obwohl Schwanzlurche zur Gruppe der Amphibien gehören. Da Kaulquappen gemeinhin die Nachkommen von Amphibien sind, liegt die Vermutung nahe, dass die Nachkommen von allen Amphibien auch Kaulquappen sind. Das ist nicht richtig.

Kaulquappen sind das Entwicklungsstadium der Froschlurche nach der Larve. Das Stadium der Kaulquappen erfolgt bei den meisten Arten aquatil – das bedeutet „frei in einem Gewässer schwimmend. Allerdings gibt es auch Sonderformen der Brutpflege.
Froscheier entwickeln sich binnen eines Tages oder auch mehrerer Wochen zu Kaulquappen. Das ist von Art zu Art unterschiedlich. Der Grasfrosch in Mitteleuropa benötigt 10 bis 14 Tage. Ab und an aber auch drei bis vier Wochen. Nach dieser Zeit schlüpft die Larve. Junge Kaulquappen besitzen zunächst an jeder Kopfseite drei äußere Kiemen-Büschel und einen Ruderschwanz mit Flossensaum. Mit Haftorganen, die sich im Mundbereich der Kaulquappen befinden, hängen sich die Nachkommen der Amphibien an der alten Gallerthülle fest, aus der sie geschlüpft sind – später an Pflanzen, Steinen oder Ästen – und ernährt sich von ihrem Eidottervorrat, der sich an ihrem Bauch befindet. Nach dieser Phase öffnet sich das bis zu diesem schlitzförmige Maul. Auch der Ruderschwanz wird größer und erhält breitere Hautsäume. Die Kiemen werden von einer Hautfalte überwachsen. Sie befinden sich also nun innen. Der Gasaustausch mit der Umgebung findet nun über das Atemloch an der linken Seite des Körpers statt. Bei einigen Arten befindet sich dieses Atemloch am Bauch. Die Larve kann nun schwimmen und sich selbst ernähren. Ältere Kaulquappen nehmen zusätzlich zur pflanzlichen Nahrung nun auch tierische Nahrung wie Laich der eigenen Art und anderer Lurche sowie verendete Artgenossen. Später bilden sich dann die Extremitäten – zuerst die Hinterbeine und Tage später die Vorderbeine. Mit der Entwicklung der Vorderbeine entwickelt sich der Ruderschwanz zurück. Die komplette Umwandlung findet statt.
Wie lange die Entwicklung der Kaulquappen dauert, hängt von der Art und den Umweltbedingungen ab. Die Umgebungstemperatur spielt hier eine große Rolle.
Wie alle Amphibien sind auch Kaulquappen von sehr vielen Fressfeinden bedroht. Vor allem Raubfische, aber auch Friedfische, Wasserwanzen, Insektenlarven, Wasservögel und Molche bevorzugen sehr gern Kaulquappen auf ihrem Essensplan.
Doch eigentlich ist es der Mensch, der die Bestände an Kaulquappen gefährdet. Gefährliche Eingriffe in die Natur wie das Trockenlegen von Feuchtgebieten oder das Zuschütten von Gewässern zerstört den Lebensraum der Amphibien. Auch die Verwendung von Pestiziden, Dünger, etc. führt bei den Amphibien zu Vergiftungen und Missbildungen. Werden Fische in kleine Teiche eingesetzt, kommt es auch dort zur Ausrottung der Kaulquappen, da sie eine beliebte Speise für Fische darstellen.
Wer Kaulquappen in seinem Gartenteich züchten oder halten möchte, sollte darauf achten, dass die tiefe Zone des Gewässers durch Pflanzen abgegrenzt ist, so dass Kaulquappen sicher vor eventuellen Fischen in den Pflanzen leben können. Optimal wäre natürlich ein totaler Verzicht auf Fische. Beides – Kaulquappen und Fische – geht ohne besonderen Schutz durch den Menschen nicht gut.